Wie starte ich mit Procreate

Wie starte ich mit Procreate?

Geschrieben von: Anja von emmapünktchen ®

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Eigentlich hatte ich für heute einen etwas anderen Post geplant. Da erhielt ich per Mail eine Frage, die mir sehr interessant zu sein schien. WIE STARTE ICH AM BESTEN MIT PROCREATE? Ich muss gestehen, wenn man täglich mit dem Programm arbeitet, verliert man hier und da den Blick auf den Anfang und alle damit einher gehenden "Startschwierigkeiten". Aus diesem Grunde bin ich für solche Fragen und Wünsche immer sehr sehr dankbar.


Nun mal alle Uhren auf Null gestellt und wir starten bei den Basics.


Oft ist es schon das erste Hindernis, die richtige Zeichnefläche zu finden. Ich empfehle hier immer eine Größe von etwa 4000 x 5000 px bei 330 dpi. Du musst ja damit rechnen, deine Zeichnungen mal ausdrucken zu wollen und dafür benötigst du eine gute Auflösung. Ich liebe ja Papiere mit Aquarelltextur. Diese macht die Illustrationen lebendig. In meinem letzten Post, in dem wir den Hasen gezeichnet haben, habe ich dir mein Lieblingspapier hochgeladen. Dies verwende ich tatsächlich am Häufigsten von allen.


Im nächsten Schritt wären wir bei den Brushes. Hier gibt es ja wirklich eine unendliche Anzahl von Pinseln. Entweder direkt von Procreate, auf Marktplätzen oder auch in meinem Shop wird man fündig. Mein Tipp: Fang langsam an. Verwende nicht zu viele verschiedene Pinsel. Ich beschränke meine Brushes pro Illustration auf etwa 3-4. Du benötigst einen Sketches zum Skizzieren, einen Brush für die Outline (hier verwende ich IMMER den Sketcher), einen Brush zum Kolorieren und einen Brush für die Schatten. Hin und wieder kommt noch ein Brush für die Textur zum Einsatz. Meine Lieblingsbrushes findest du auch im letzten Post. Oft hängt die Qualität deiner Zeichnung NICHT von den Brushes ab, sondern immer davon, wie viel Gefühl deine Zeichnung vermittelt. Achte also nicht zu sehr auf deine Materialien, sonst gerät man schnell ins Schleudern.


Die Farben - mein größter Endgegner, denn es gibt einfach viel zu viele davon :) Auch hier gilt: Weniger ist oftmals mehr. Das ist natürlich nur mein Empfinden, aber ich bin der Meinung, dass zu viele Farben die ganze Illustration unruhig wirken lassen und von dem Wesentlichen - nämlich deinem Motiv und der Stimmung - ablenken. Es ist nicht ganz einfach, sich auf wenige Farben zu beschränken. Ich würde dir empfehlen, dir am Anfang vielleicht 4-5 Farben auszusuchen (je nach Motiv) und nur diese einzusetzen. Ich kann dir auch hier noch einmal den Farbgenerator ans Herz legen. Wir haben ihn für den Club programmieren lassen und du als Mitglied darfst ihn kostenlos nutzen. So ein Hilfsmittel ist immer Gold wert und ich nutze es nahezu täglich. Denn Farben können in einer Illustration so viel ausmachen. Versuche mal, ein und die selbe Illustration in verschiedenen Farben anzulegen. Du wirst sehen, dass diese Veränderung einiges ausmacht.


Das Motiv.... Oft steht man hier vor einer großen Herausforderung. Entweder man hat so gar keine Idee oder man hat eine Idee, bekommt diese aber einfach nicht vom Kopf auf das Papier. Hier gibt es zwei Möglichkeiten. Möglichkeit 1 ist, sich Inspirationen z.B. bei Pinterest zu suchen. Möglichkeit 2 ist, die Kreativität einfach freizuzeichnen. Das mag sich jetzt wahnsinnig lustig anhören, aber das ist tatsächlich mein Ding, wenn ich mal eine Blockade habe. Und glaube mir, die hat wirklich jeder, mal kürzer, mal länger. Wenn ich so gar keine Idee habe, was ich zeichnen soll, dann setze ich mich einfach hin und fange an. Ich Kitzel einfach darauf los ohne zu wissen, was es werden soll. Das klappt nahezu immer - echt jetzt. Und wenn es ganz verrückte Dinge sind, wie z.B. eine Erdbeere auf einem Skateboard oder ein Regenwurm mit Gummistiefeln :) Leg einfach los. Du tauchst ab und entwickelst diese eine Idee weiter und weiter und eventuell kommt dabei etwas ganz Tolles raus. Weisst du, nicht jede Illustration von mir zeige ich im www. Es gibt auch Zeichnungen, die einfach kein Gefühl in mir auslösen oder die mir einfach nicht mehr gefallen. Das passiert. Passiert dies mehr als einmal, schalte ich das iPad einfach aus und versuche s später noch einmal. Also, arbeite NIE unter Druck, das wird nichts.

Anhand meiner Zeichnungen kann man sehr oft sehr gut meinen derzeitigen Gefühlszustand erkennen :) Bin ich beim Zeichnen traurig, dann sehen die Zeichnungen anders aus, als wenn ich glücklich bin. Auch fühle ich meine Illustrationen. Wenn mir ACCCHHHZZZZ entweicht, dann weiss ich, dass es das Richtige ist. Wenn auch mal ein Tränchen beim Zeichnen rollt, dann weiss ich, die Zeichnung ist für mich perfekt.

Was ich noch einmal betonen möchte: Man zeichnet NUR für sich selber. Zeichne NIEMALS für andere. Hin und wieder lese ich: Zeichne doch deinen Figuren mal einen Mund, zeichne mal weniger süß oder mach mal dies oder mach mal das. Meine Antwort ist: NEIN! Denn ich muss die Motive spüren und mögen. In dem Moment, in dem man den Geschmack anderer versucht umzusetzen, verliert man sich selber. Es gibt ganz viele, die diesen Zeichenstil haben und das ist toll so. Ich zeichne eben süß und das mag ich. Lass dich also nicht von aussen beirren. Solange DIR deine Zeichnungen gefallen, bist du zu 100% auf dem richtigen Weg. Man kann es ja eh nie allen Recht machen. Das Einzige, was du nie darfst ist aufgeben. Wenn du meine ersten Zeichnungen sehen könntest, würdest du dich bestimmt totlachen. Könnte ich absolut verstehen. Die erste digitale Zeichnung von 2012, erstellt an einem Minizeichenbrett. Mit der rechten Hand zeichnen, während man auf dem Bildschirm sieht was man da überhaupt macht. Ging gar nicht, das sage ich dir. Da war ich dann schon sehr dankbar, als ich 2012 das erste iPad geschenkt bekam. Seitdem arbeite ich mit Procreate und kann behaupten, dass ich das Programm in und auswendig kenne. Natürlich macht man - gerade zu Beginn - einige Fehler. Damit DU diese nicht machst, hier die wichtigsten Dinge in der Zusammenfassung:


Größtmögliche Leinwand, um das Motiv später ausdrucken zu können

Bedenke: Je größer die Leinwand und die DPI, desto weniger Ebenen hast du später zur Verfügung (was aber kein Problem bei kleinen Zeichnungen darstellt)


Nutze wenige Pinsel und lass die Illustration durch durchbrochene und ungleichen Linien natürlicher wirken. Ich liebe den ALL IN ONE Pinsel!


Nutze weniger Farben und beschränke dich z.B. auf eine Farbgruppe mit graulastigen Tönen. Das wirkt insgesamt stimmiger. Das ist jedoch nur mein Empfinden. Versuche es einfach mal.


EBENEN!!!! Ich sage es gerne immer wieder! Zeichne alles auf einzelne Ebenen. So lassen sich Fehler einfacher korrigieren. Und da spreche ich aus Erfahrung, glaube mir. Wie viele Illustrationen musste ich neu anlegen, weil ich nicht auf die Ebenen geachtet habe. Lesen learned.


Wenn du etwas gezeichnet hast, schlafe eine Nacht drüber. Schau sie dir dann am nächsten Tag an. Wenn sie dir immer noch gefällt, dann zeige sie draussen. Habe keine Angst vor eventuellen Reaktionen. Denke immer daran, dass die Meisten immer noch weniger gut zeichnen können, als du. Ja, es gehört Mut dazu, aber nur so siehst du auch im Laufe der Zeit deine Verbesserung.


ÜBE ÜBE ÜBE. Nur Übung macht den Meister und ich bin ein gutes Beispiel dafür, dass einen Übung weiterbringt. Wie ich schon sagte, meine ersten digitalen Bilder willst du nicht. wirklich sehen :) Jeder hat mal klein angefangen, also bleib dran.


Und zum Schluss: Lass dich nie beirren. Mach dein Ding und finde bzw. behalte deinen Stil. Bleib du selbst, alle anderen gibt es schon! Und versuche NIEMALS zu kopieren. Das ist für mich auch der Grund, weshalb ich nicht bei Pinterest nach Inspirationen suche. Diese würden mich beeinflussen und das Ergebnis wäre eine Kopie eines anderen. Finde hier einfach deinen Stil und baue diesen aus. Finde ein Alleinstellungsmerkmal (bei mir ist es das kleine Label mit Herz an den Figuren). Du hast es geschafft, wenn jemand deine Illustration erkennt, ohne deinen Namen gelesen zu haben. Das geht nicht von heute auf morgen, aber mit ein bisschen Geduld bekommst du das hin!

Toll sind hierfür auch immer Ziele, die man sich setzt oder einfache Rituale. Mein Ritual ist es z.B. dass ich mich abends ins Bett lege und vor dem Schlafengehen eine Zeichnung fertige. Erst wenn ich diese fertig habe, kann ich beruhigt einschlafen. Das ist mein Ritual, den Tag abzuschliessen und auch abzutauchen. Ich kann beim Zeichnen so herrlich entspannen.


Ich hoffe sehr, dass ich dich ein bisschen Motiveiern und dir ein wenig beim Start helfen konnte.

Solltest du noch Fragen haben, dann würde ich mich riesig freuen, wenn die diese in der Community oder auch in der WhatsApp Gruppe stellst.

Ich wünsche dir ganz arg Viel Freude beim zeichnen und üben. Wenn ich dir irgendwie helfen kann, dann würde ich mich sehr darüber freuen!


P.S.: Solltet ihr euch in meinem Shop neue Brushes kaufen wollen, so vergesst bitte den Clubrabattcode nicht. Diesen findet ihr im Artist Studio.

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